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Fernsehen bei Gewitter: Gefährlich oder nicht?

Fernsehen bei Gewitter: Gefährlich oder nicht? © iStockphoto LP 146026346 comm
Einige Mythen aus unserer Kindheit halten sich wacker: Wer die Augen verdreht, dem bleiben sie im Kopf stecken. Wer mit vollem Bauch ins Wasser geht, dem wird übel. Und wer einen Kirschkern verschluckt, der bekommt eine Blinddarmentzündung. Heute widmen wir uns einem weiteren Mythos aus unserer Kindheit: Bei Gewitter soll man nicht fernsehen, denn der Blitz könnte sonst einschlagen. Stimmt diese Vermutung, oder war es nur ein gewitzter Trick unserer Eltern, um uns vom Bildschirm wegzubekommen?

Totalschaden durch direkten Blitzeinschlag

Tatsächlich kann ein Gewitter, auch heute noch, Schäden an Elektrogeräten im Haushalt verursachen. Wenn ein Blitz direkt in Ihren Fernseher einschlägt – über die Antenne oder die Stromleitung – ist er mit einem großen Knall hinüber. Ein Röhrenbildschirm kann sogar explodieren! Wenn Sie Pech haben, sind auch noch alle Steckdosen durchgebrannt und die Leitungen müssen neu installiert werden. Bei einem direkten Blitzeinschlag übernimmt allerdings die Haushaltsversicherung den Schaden.

Überspannung durch indirekten Blitzschaden

Der Blitz muss für einen Schaden aber nicht mal direkt in Ihr Haus einschlagen! Wenn der Donner dem Blitz innerhalb von 4 Sekunden folgt, ist das Gewitter in Ihrer unmittelbaren Nähe. Ein bis zu zwei Kilometer entfernter Blitzeinschlag kann elektromagnetische Felder verursachen, die sich über Telefon-, Strom- oder Wasserleitungen entladen. Es kommt zu einer sogenannten Überspannung. Für diese Überspannung ist ein ausgeschaltetes TV-Gerät kein Hindernis – zwischen den Kontakten liegen nur wenige Millimeter, wenn der Schalter auf Aus steht. Das überbrückt ein Blitz mit mehreren Tausend Ampere Stromstärke und einigen Hunderttausend Volt Spannung locker. Abgesehen davon befinden sich die meisten Geräte sowieso im Standby-Modus, wenn sie abgeschaltet sind, und sind damit nicht wirklich „aus“. Die Folge: Der Strom fällt aus und Ihr Fernseher schaltet sich einfach ab. Oft fangen die Sicherungen den Schaden ab – aber eben nicht immer. Wenn Sie Pech haben, kommt es zum Totalausfall von TV und PC (inklusive Datenverlust). Und im Falle eines indirekten Blitzschadens bezahlt Ihre Haushaltsversicherung nur, wenn Sie eine teure Zusatzklausel dafür im Vertrag haben!

Wirksamer Schutz vor Blitzschäden

Schützen kann man seine elektronischen Geräte am wirkungsvollsten dadurch, dass man bei einem herannahenden Gewitter die Stecker zieht. Steckdosen mit eingebautem Blitzschutz können zwar Überspannungen durch indirekten Blitzschlag verhindern – aber wenn der Blitz genau in Ihr Haus einschlägt, sind auch sie nutzlos. Am besten ziehen Sie auch den Stecker des Antennen-, Netz- oder Modemkabels. Blitzableiter, Überspannungsschutz und Blitzschutz-Stecker sind gegen einen starken Blitz einfach machtlos. Im Idealfall ist Ihr Haus von außen – durch Fangleitungen, Blitzableiter und Erdungskabel – und von innen (mit Potentialausgleich und Überspannungsschutz) gegen Blitzeinschläge geschützt. Ein zentraler Überspannungsschutz, auch Grobschutz genannt, kann dafür vom Elektroinstallateur in Ihren Sicherungskasten eingebaut werden. Schutzvorrichtungen, die direkt am Gerät vorgenommen werden können, heißen Feinschutz. Diese Blitzschutzstecker und –leisten kommen aber, wie gesagt, gegen einen ausgewachsenen Blitz auch nicht an, sondern helfen nur gegen indirekte Blitzschläge. Also: Raus mit dem Stecker bei Gewitter!